Bestellen     WER 6532 2, Erscheinungsjahr: 1996

 

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Programm der CD

       
1      Komposition für Streichquartett (1985) 28:47 anhören
  Streichquartett des Ensemble UnitedBerlin: Andreas Bräutigam, Violine    
  Stephan Kalbe, Violine - Martin Flade, Viola    
  Katharina Feltz, Violoncello    
       
2 Symmetries on aleph zero 2 13:43 anhören
  Komposition für Violine (1986/87)    
  Nicolaus Richter de Vroe, Violine und Einrichtung    
       
3 Disappearing Musics    
  for six players (more or less) (1989/91) 34:19 anhören
  Ensemble Recherche Freiburg: Martin Fahlenblock, Flöte    
  Peter Veale, Oboe - Uwe Möckel, Klarinette    
  Melise Mellinger, Violine - Barbara Maurer, Viola    
  Sven Thomas Kiebler, Klavier - James Avery (als Gast), Klavier    
       
       

Zur Musik

 

Jakob Ullmanns Lebensweg ist an den Steinen, die ihm in den Weg gelegt worden sind, abmessbar. An diesen hat er sich abgearbeitet, sie haben seine kompositorische Haltung mitgeprägt und die Überwindung dieser Hindernisse hat ihm schließlich Recht gegeben.

 

Möglicherweise waren es gerade die Erfahrungen mit den Kulturbeauftragten eines als repressiv erlebten Staates, die Ullmanns große Skepsis gegenüber der Erwartung gesellschaftlicher Wirkung von Musik mitbegründete, in jedem Fall aber stärkte. Schönbergs Musik, so hebt Ullmann mit Blick auf die Schlüsselfigur unnachgiebigen Komponierens hervor, ist der Beweis, dass es nicht nur notwendig, sondern dass es auch möglich ist, Musik zu schreiben, die für Führerhauptquartiere nicht taugt.

 

In die Landschaft der DDR-Musik passten Ullmanns Werke aus mehreren Gründen nicht recht. Zu fremd wirkten seine zurückhaltenden Werke. Seine Partituren sind hintergründige Texte, die allererst enträtselt werden müssen. Sie haben oft den Charakter eines Palimpsests, eines mehrfach überschriebenen Pergaments, dessen Textschichten radiert, übermalt oder überklebt sind, dessen Ränder womöglich angesengt und dessen Tinten durchgeschlagen sind: eine Assemblée von Fragmenten, deren einstiger Zusammenhang zerstört und deren ursprünglicher Sinn dunkel ist. Einen Sinn gebiert solches Konglomerat erst durch vielmaliges und stets neu kombinierendes Lesen. Das musste einem Kulturbetrieb ebenso verdächtig sein wie die Liebe zu John Cage, dessen Kompositionsprinzipien Ullmann schon früh adaptierte und damit sein Votum für die Befreiung der Klänge von Intentionalität und gesellschaftlicher Semantik abgab.

Frank Hilberg

 

 


Lebenslauf (Stand: Erscheinungsjahr der CD)

     
1958    &nbsp   geboren in Freiberg (Sachsen)
     
1965-75   Schulbesuch in Naumburg/Saale
     
ab 1965   Klavier- und später auch Orgelunterricht
     
1975-78   Kirchliches Proseminar Naumburg
     
1978-83   Tätigkeit als Hausmeister, Heizer, Kohlenträger...
    in Dresden, daneben
     
1979-82   Studium an der Kirchenmusikschule Dresden (Lehrer u. a. Hansjürgen Scholze)
    Konsultationen zu Fragen der Komposition mit Jörg Herchet
     
1982-84   (erfolglose) Bewerbung um die Stelle eines Meisterschülers an der Akademie der Künste in (Ost-) Berlin bei F. Goldmann, daher privater Kompositionsunterricht bei Friedrich Goldmann
     
1990   Bekanntschaft mit John Cage, seitdem intensiver Austausch bis 1992
     
seit 1982   freischaffend als Autor und Komponist in Berlin
     
    Teilnahme an Festivals in Donaueschingen, Witten, Saarbrücken, München, Darmstadt, Zürich, Paris und Köln
     
     

Werkliste (Auswahl, Stand: Erscheinungsjahr der CD)

     
1982        Komposition für 10 Instrumente
     
1983   Komposition für Flöte (I-III)
     
1984   MNIMA
    auf Texte von Anna Achmatova für 3 Frauenstimmen, Altflöte, Oboe, Violoncello, Kontrabassklarinette und 36 Solostreicher
     
1985   Komposition für Streichquartett
     
1986   Komposition für Posaune
     
1986-87   Symmetries on aleph zero 1
    für 12 Instrumente
     
1986-87   Symmetries on aleph zero 2
    für Violine
     
1986-87   Symmetries on aleph zero 3
    für 4 Schlagzeuger
     
1986   Ensemblekomposition
    work in progress für 17 Musiker und (17) Akteure
     
1987   ALAKATA in fünf Teilen
    für 8 Instrumente
     
1987-88   la CAncion del ánGEI desaparecido
    für 7 Instrumente
     
1987-88   ...stimmen...
    für Bläserquintett
     
1988-89   son imaginaire II
    für Klavier
     
1988-89   son imaginaire III
    für Instrumentalgruppen
     
1988-89   meeting John Cage under the tropic of the late eighties oder wir überholen die Moderne
     
1989-90   Komposition à 9 (palimpsest)
     
1989-90   pianissimo
    für Viola und Live-Elektronik
     
1990   due frammenti
    (für Luigi Nono)
     
1989/91   disappearing music
    for 6 players (more or less)
     
1990-91   voice, books and FIRE
    for voice(s) and any sound-creators
     
1990-91   Komposition l
    für Orchester schwarzer Sand/Schnee
     
1991-92   25 items in variations (II)
    Ausarbeitung von John Cages „Variations II" für Kammerensemble
     
1991-93   voice, books and FIRE II (2)
    for voices and sound-creators
     
1991-93   echoing the distant sounds
    for 7 different Instruments
    davon als Teil (separat aufführbar): Komposition für Streichtrio (I-III)
     
1992-93   Solo I
    für Flöte
     
1992-93   Solo II
    für Posaune
     
1992-93   Solo III
    für Orgel
     
1993   Komposition für Orchester 2
     
1993-94   voice, book and FIRE II(I)
    for voices
     
1994   Komposition für Orchester 3
     
     



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